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Der Prinz, der
im Kölner Karneval auch "Seine Tollität" genannt wird, ist der höchste
Repräsentant des Kölner Karnevals und damit das Oberhaupt des
Dreigestirns. Der Prinz hieß nicht immer Prinz: Der Name
trat erst Ende des 19. Jahrhunderts (erstmals 1872) an die Stelle
der ursprünglichen Bezeichnung "Held Carneval" - die Personifizierung
des Karnevals. Damals glich sein Äußeres noch viel stärker dem
eines Herrschers. Er trug eine Krone mit Pfauenschweif, eine goldene
Kette, einen funkelnden Gürtel, ein weißes Untergewand
und einen Purpurmantel. In der Rechten hielt er das Szepter und
in der Linken eine Pritsche. Der Held Carneval und später der
Prinz ist seit 1823 die wichtigste Figur des Rosenmontagszugs.
Sein Wagen beendet den Rosenmontagszug und ist der Höhepunkt.
Der Bauer,
auch "Seine Deftigkeit" genannt, ist Ausdruck der Wehrhaftigkeit
der alten Reichsstadt Köln. Der "Kölner Bauer" fuhr 1825
erstmals im Rosenmontagszug mit. Schwert und Dreschflegel sind Symbole
seiner Reichstreue und Wahrhaftigkeit. Als Stadtbewahrer trägt
er auch die Stadtschlüssel. Und da Köln eine große Stadt
ist, die zu beschützen einen ganzen Mann erfordert, bedarf es schon
eines "staatse Kääls" (= stattlichen Kerls), der dieses Amt
gewichtig verkörpert. Als Figur im Karneval setzte sich der Bauer wie
auch die Jungfrau in den 1870er Jahren endgültig durch.
Die Jungfrau,
auch "Ihre Lieblichkeit" genannt, symbolisiert die beschützende
Mutter Colonia. Die Figur gibt Raum für vielfältige Interpretationsmöglichkeiten. Die Karnevalsreformer von 1823 erkannten in ihr die vergöttlichtete Stadtgründerin Agrippina.
Traditonell wird die Jungfrau im Kölner Dreigestirn von einem Mann dargestellt. Damit keiner merkt, dass es gar keine Frau ist, sind
ein Bart oder ein Schnäuzer nicht erlaubt. In der Nazizeit in den Jahren 1938 und 1939 wurde aber
- was wenig bekannt ist - die Jungfrau von einer echten Frau dargestellt (siehe auch hier: Chronik des Kölner Karnevals und das nebenstehende Foto aus dem Jahre 1938, welches die damalige Kölner Jungfrau Paula Zapf zusammen mit Bauer Johannes Wiesbaum zeigt). Dies lag daran, dass die Nazis hinter Männern im Frauenkleidern Homosexualität
vermuteten. Und das war seinerzeit verpönt. Nach dem Krieg kehrte man aber schnell wieder zur Tradition zurück und seitdem wandeln wieder stattliche Männer als "Ihre Liebichkeit" zusammen mit Prinz und Bauer durch die Sääle.
Die Kölner Jungfrau trägt eine Krone, die wie ein Zinnenkranz
aussieht. Diese wird Mauerkrone genannt. Ihre "wehrhafte"
Krone und ihre Jungfräulichkeit symbolisieren die Uneinnehmbarkeit der
Stadt Köln. Die Stadt blieb stets "jungfräulich". In ihren römischen Gewändern erinnert die Jungfrau ganz bewusst an die
in Köln geborene römische Kaiserin Agrippina.
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