Das Kölner Dreigestirn

Das Kölner Dreigestirn besteht aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Als Einheit existieren sie seit dem Jahre 1883. Das Dreigestirn wird von den Karnevalsgesellschaften gestellt, die dem Festkomitee unterstehen und sind heute in der Regel Mitglieder einer einzigen Gesellschaft, welche in dem jeweiligen Jahr das Dreigestirn stellt. Bei den Bewerbungen sind naturgemäß die größten Gesellschaften am ehesten am Zug. Berücksichtigt werden aber auch Gesellschaften, die in dem entsprechenden Jahr ein Jubiläum haben.

Prinz Karneval

 

 

Der Prinz, der im Kölner Karneval auch "Seine Tollität" genannt wird, ist der höchste Repräsentant des Kölner Karnevals und damit das Oberhaupt des Dreigestirns. Der Prinz hieß nicht immer Prinz: Der Name trat erst Ende des 19. Jahrhunderts (erstmals 1872) an die Stelle der ursprünglichen Bezeichnung "Held Carneval" - die Personifizierung des Karnevals. Damals glich sein Äußeres noch viel stärker dem eines Herrschers. Er trug eine Krone mit Pfauenschweif, eine goldene Kette, einen funkelnden Gürtel, ein weißes Untergewand und einen Purpurmantel. In der Rechten hielt er das Szepter und in der Linken eine Pritsche. Der Held Carneval und später der Prinz ist seit 1823 die wichtigste Figur des Rosenmontagszugs. Sein Wagen beendet den Rosenmontagszug und ist der Höhepunkt.

Der Bauer, auch "Seine Deftigkeit" genannt, ist Ausdruck der Wehrhaftigkeit der alten Reichsstadt Köln. Der "Kölner Bauer" fuhr 1825 erstmals im Rosenmontagszug mit. Schwert und Dreschflegel sind Symbole seiner Reichstreue und Wahrhaftigkeit. Als Stadtbewahrer trägt er auch die Stadtschlüssel. Und da Köln eine große Stadt ist, die zu beschützen einen ganzen Mann erfordert, bedarf es schon eines "staatse Kääls" (= stattlichen Kerls), der dieses Amt gewichtig verkörpert. Als Figur im Karneval setzte sich der Bauer wie auch die Jungfrau in den 1870er Jahren endgültig durch.

Die Jungfrau, auch "Ihre Lieblichkeit" genannt, symbolisiert die beschützende Mutter Colonia. Die Figur gibt Raum für vielfältige Interpretationsmöglichkeiten. Die Karnevalsreformer von 1823 erkannten in ihr die vergöttlichtete Stadtgründerin Agrippina.

Traditonell wird die Jungfrau im Kölner Dreigestirn von einem Mann dargestellt. Damit keiner merkt, dass es gar keine Frau ist, sind ein Bart oder ein Schnäuzer nicht erlaubt. In der Nazizeit in den Jahren 1938 und 1939 wurde aber - was wenig bekannt ist - die Jungfrau von einer echten Frau dargestellt (siehe auch hier: Chronik des Kölner Karnevals und das nebenstehende Foto aus dem Jahre 1938, welches die damalige Kölner Jungfrau Paula Zapf zusammen mit Bauer Johannes Wiesbaum zeigt). Dies lag daran, dass die Nazis hinter Männern im Frauenkleidern Homosexualität vermuteten. Und das war seinerzeit verpönt. Nach dem Krieg kehrte man aber schnell wieder zur Tradition zurück und seitdem wandeln wieder stattliche Männer als "Ihre Liebichkeit" zusammen mit Prinz und Bauer durch die Sääle.

Die Kölner Jungfrau trägt eine Krone, die wie ein Zinnenkranz aussieht. Diese wird Mauerkrone genannt. Ihre "wehrhafte" Krone und ihre Jungfräulichkeit symbolisieren die Uneinnehmbarkeit der Stadt Köln. Die Stadt blieb stets "jungfräulich". In ihren römischen Gewändern erinnert die Jungfrau ganz bewusst an die in Köln geborene römische Kaiserin Agrippina.

Paula Zapf - Kölner Jungfrau 1938

Insignien des Dreigestirns:

Die Pritsche (Peitsche bzw. Fruchtbarkeitsrute) ist zum Symbol der Narren geworden, in erster Linie aber das Symbol des Prinzen, der sie über das Narrenvolk schwingt. Mit der Übergabe der Pritsche wird der Prinz proklamiert.

Die Insignien des Bauern sind die Stadtschlüssel und der Dreschflegel. Die Stadtschlüssel trägt er am Gürtel. Sie sind das Symbol der Rechtsgewalt über die Stadt Köln. Er symbolisiert die Helden der Schlacht bei Worringen, in der sich die Kölner von der Macht der Erzbischöfe befreiten. Der Dreschflegel ist ein Symbol der Wehrhaftigkeit Kölns.

Die Jungfrau trägt einen Spiegel. Dieses Symbol ist noch nicht alt und ist ein Zeichen der "weiblichen Eitelkeit". Eine tiefergehende geschichtliche oder symbolische Bedeutung hat der Spiegel aber nicht.

 

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