"Kamelle - Taktik"

Der Kölner ist seit Alters her bekannt für seinen Geschäftssinn und sein Bemühen, mit geringem Aufwand zum Erfolg zu kommen. Schon im Mittelalter nahm er für seine Stadt das Stapelrecht auf dem Rhein in Anspruch. Alles, was auf dem Rhein verschifft wurde, musste zunächst in Köln ausgeladen (gestapelt) werden und die Kölner nahmen sich das Recht, das Beste davon zu einem günstigen Preis zu erwerben.

Im Karneval, während der Umzüge, schreit der Kölner lauthals "Kamelle! und"Strüsjer", um an die begehrten Sachen zu kommen, die die Zugteilnehmer unter das närrische Volk werfen. Dabei ging es ihm sicherlich kurz nach dem Kriege um Kamelle (Bonbons), die wahre Plombenzieher wahren. Heute ist der Ruf ein Synonym für wertvollere Sachen wie Schokolade, Püppchen, Blutwurst u.ä., die der Kölner umsonst zu ergattern sucht. Dabei ist ihm das alles nicht so ganz ernst und wichtig. Denn dieser Bittgesang ist in Köln auch bei anderen Gelegenheiten zu hören. Zur Zeit, als Bonn noch Bundeshauptstadt war und fremde Staatsmänner und - frauen den Dom besuchten, klangen diese Schlachtgesänge ebenfalls aus dem Menschenspalier. Nur bei der Fronleichnamsprozession unterdrückte der Kölner seinen Erwerbssinn.

Der Kölner weiß natürlich auch, wie er zum Erfolg kommt und Aufmerksamkeit erregt. Zunächst spioniert er aus, wo an den Zugwegen die städtische und überörtliche Prominenz das Treiben beobachtet. Bekanntlich wird an diesen Stellen besonders viel Wurfmaterial in die Menge geworfen. Genau da stellt sich der clevere Kölner dann hin. Außerdem ruft er unablässig Namen wie Pitter (Peter), Jupp (Josef), Tünn(Anton), Züff (Sophie), Tring (Katharina) und neuerdings auch Ali, Mario, Carmen in der Gewissheit, dass unter den Zugteilnehmern immer jemand ist, der so heißt. Und wer einmal selbst an einem Festumzug aktiv teilgenommen hat der weiß, dass man vor lauter Wald die Bäume nicht sieht, das heißt, in der riesigen Menschenmenge erkennt man selten ein Gesicht. Daher reagiert man auf solche Zurufe aus dem Publikum in der irrigen Annahme, ein Bekannter stände in der Masse und lässt sich beim Werfen natürlich nicht lumpen.

So sieht man nach den karnevalistischen Umzügen so manchen raffinierten Kölner in mehreren Plastiktüten seine Schätze heimwärts schleppen, stolz, mal wieder ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Manche holen sich Ihre Kamelle auch mit roher Gewalt, wie dieser junge Mann auf unserem Bild.


Das Thema dieser Seite ist der Kölner Karneval