Weiberfastnacht
("Wieverfastelovend")
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Wir schreiben das Jahr
1824 nach Christus. Das ganze Rheinland ist von jecken Männern
besetzt... Das ganze Rheinland? Nein! Dass von unbeugsamen Wäscherinnen
bevölkerte Dorf Bonn-Beuel nahe Köln schickte sich an,
es den Männern gleich zu tun.
Gesagt - getan. Man
schloss sich schließlich zu einem Damenkomitee zusammen
und seitdem stürmen die Damen am Donnerstag vor dem Karnevalswochenende,
Karnevalssonntag und Rosenmontag, die Rathäuser und übernehmen
dort die Macht.
Zur Entmachtung schneiden
sie den Männern traditionell die Krawatte ab. Dies wurde
Tradition und danach zum Brauchtum. Die Weiberfastnacht war geboren!
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Elisabeth
Trude Mayers ist eine der Gründungsmöhnen des Damenkomitees
und mittlerweile 212 Jahre alt. Sie lebt noch heute in Bonn-Beuel..
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Noch
Fragen ?
Hier ein Interview mit der
inzwischen 212 Jahre alten Gründungsmöhn Elisabeth Trude Mayers
(Bild oben rechts)
Frau Mayers, Sie gehören
zu den Gründungsmöhnen. Wie war damals die Zeit?
Mayers: Ich erinnere mich gut. Das war damals in Beuel eine ganz andere
Zeit. Dort waren - das muss man dazu wissen - viele Wäschereibetriebe
angesiedelt. Auf den Rheinwiesen wurde dann die Wäsche - insbesondere
die Wäsche Kölner Hotels - gereinigt und gebleicht. Die Männer
waren mit dem Transport der Wäsche beschäftigt, wir Frauen
machten die sauber.
Und wie kamen Sie auf
die Idee mit der Weiberfastnacht?
Mayers: 1823 hatte es zum ersten Mal einen geordneten Straßenkarneval
gegeben. Die Männer waren unterwegs. Wir blieben zurück. Da
saßen Gertrud, Maria Luisa, Magdalena, Elisabeth und ich bei Kaffee
und Kuchen zusammen und plötzlich - ich glaube es war das Trudchen
(Anm. der Redaktion: Gemeint ist Gertrud) - sagte eine, das wir ebenfalls
Karneval wie unsere Kerle feiern könnte. Da waren wir alle begeistert.
Wir bildeten einen Verein. Zutritt hatten nur Möhnen.
Wie "Möhnen"?
Mayers: Ja, verheiratete Frauen nannte man damals Möhnen. Wir haben
dann jedes Jahr eine Obermöhn gewählt. Die war nicht unbedingt
die "Verheiratetste" unter uns, wie man bei dem Namen denken
könnte, sondern meist die klügste oder auch schönste.
Im Laufe der Zeit ist das aber abhanden gekommen. Später machte
dass dann immer die, die daran Spass an der Freud´ hatte.
Und wie kam man auf
den Donnerstag für die Weiberfastnacht?
Mayers: Das war einfach. Es gab ja bereits den "schmutzigen Donnerstag".
Den erkoren wir kurzerhand zum Tag der Tage - daraus wurde der Weiberfastnacht.
Wieso "Schmutziger
Donnerstag"? War die Wäsche an dem Tag besonders schmutzig?
Mayers: Das hat nix mit der Wäsche zu tun. Vielmehr war es im hohen
und ausgehenden Mittelalter ja so, dass die Fastnacht die letzte Möglichkeit
war, vor der österlichen Fastenzeit nochmals leckeres Fleisch zu
essen. Der Ursprung des Namens "Schmutziger Donnerstag" kommt
daher nicht von Schmutz im Sinne von Dreck, sondern vom hochalemannischen
Schmotz, was Fett bedeutet. Die Bezeichnung "schmutziger Donnerstag"
deckt sich also mit dem andernorts üblichen Namen "fetter
Donnerstag" oder "feister (= fetter) Donnerstag". Alle
diese Ausdrücke erinnern daran, dass an diesem Donnerstag letztmalig
geschlachtet wurde und in Folge dieser Schlachtung die fettgebackenen
Fastnachtsküchlein bzw. Fastnachtskrapfen hergestellt wurden. Die
waren vielleicht lecker.
Hat sich auch was geändert?
Mayers: Ja, seit 1958 wählen wir eine Wäscheprinzessin.
Haben Sie damals schon
Krawatten an Weiberfastnacht abgeschnitten?
Mayers: Nein. Das wäre uns damals gar nicht in den Sinn gekommen.
Das ist erst später entstanden. Bonn war ja nach dem 2. Weltkrieg
mal Hauptstadt. Da fingen dann irgendwann die Sekretärinnen an,
den Männern in den Ministerien die Schlipse abzuschneiden. Das
wurde dann zum Brauch.
Wieso denn das? Penisneid?
Mayers: Das Abschneiden der Krawatte sollte den Herrschaftanspruch der
Männer brechen. Mit "Penisneid" im Sinne von Freud hat
das eigentlich nichts zu tun. Ob da tiefenpsychologisch was hinter steht,
müssen Sie meinen Ur-Enkel fragen. Der ist Psychologe und weiß
sowas.
So jetzt habe ich aber keine
Zeit mehr für Sie... Ich muss nämlich für meinem Engel an einen Piratenkostüm schneidern, welches dieser dieses Jahr an Karneval tragen will.
Frau Mayer, wir danken
für das Gespräch zur Weiberfastnacht.
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