De Letschred

In der Karnevalssession kann der Kölner durchaus auch gnadenlos sein:

Wenn ihm eine Karnevalrede nicht gefällt, wenn sie keine Pointen aufweist, wenn sie unter die Gürtellinie geht oder schlicht wenn sie geistlos und ohne Witz ist, dann bekundet der Kölner sehr deutlich sein Missfallen. Der Sitzungssaal wird entweder peinlich still oder der Geräuschpegel steigt so an , dass man den Vortrag nicht mehr verfolgen kann. Keine Hand rührt sich zum Klatschen. Plötzlich geht ein schrilles Pfeifen durch das Publikum, oft verbunden mit der Aufforderung „Aufhören! Aufhören!“. Der Redner hat dann einen unrühmlichen Abgang. Diese Redaktion des Publikums nennt der Kölner „letsche loße“, was soviel heißt wie „ausrutschen lassen“. Daher kommt der Begriff der „Letschred“ (schlechte Rede).

Der Unmut des Publikums macht aber auch vor Gesangsbeiträgen nicht Halt. Dies musste 1963 der im Karneval erfahrende Sänger Jupp Schmitz, von dem so erfolgreiche Titel wie „Am Aschermittwoch“ oder „Es ist noch Suppe da“ stammen, erfahren. Sein Lied vom Hirtenknaben aus St. Kathrein fiel beim Publikum gnadenlos durch. Schmitz verließ wie ein begossener Pudel die Bühne. Jahre später jubelte ihm das Kölner Karnevalspublikum frenetisch leiche Lied erneut vortrug, allerdings mit einem veränderten Text. In diesem Text nahm er seinen eigenen durchgefallenen Vortrag von 1963 erfolgreich auf die Schippe.

Man sieht, der Kölner kann strafen und verzeihen.

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