Die Büttenrede / Büttenredner

Büttenredner

Ein Büttredner ist jemand, der in einer Bütte, eigentlich einem eimer- bzw. fassförmigen Stehpult steht, und eine bissig-ironische Karnevalsrede hält, oftmals mit tagespolitischem Bezug. Für die Bezeichnung des häufig in Form eines Fasses gestalteten Rednerpults als "Bütt“ (rheinisch für Bütte, Bottich oder auch Zuber) gibt es mehrere Erklärungsversuche: vom leeren Weinfass, welches Anlass zur Bitterkeit gibt, über den Vergleich mit dem Spötter Diogenes, der in seiner legendären Tonne hauste, bis hin zum Bottich, in dem schmutzige Wäsche gewaschen wird.

 

Zu den bekanntesten Kölner Büttenrednern zähl(t)en:

D´r Verdötschte alias Karl Küpper (†)

Karl Küpper alias De Verdötschte

 

Karl Küpper 1954

Spätes Foto von Karl Küpper 1954

Hier geht es zu einem Artikel über
Karl Küpper

 

 

Unvergessen ist natürlich Karl Küpper, der prominenteste Büttenredner, der sich auch im Dritten Reich traute, das Regime mit Spott zu überziehen.

Seine Karriere als Büttenredner startete der gelernte Schriftsetzer im Jahre 1927 als "d´r Verdötschte" (hochdeutsch: "der Verbeulte"). Schnell profilierte er sich als Redner im Sitzungskarneval. Während der offizielle Karneval und die meisten seiner Kollegen sich mit dem Nationalsozialismus arrangierten (siehe dazu den Artikel Karneval im Nationalsozialismus), stellte Küpper seine distanzierte Haltung zum NS-Regime auf der Karnevalsbühne teilweise eher subtil, teilweise aber auch sehr offen zur Schau. Den Hitlergruß nutzte er für eine oft zitierte Nummer: Er betrat die Bühne, setzte sich auf die Bütt, hob den rechten Arm und als das Publikum zum Hitlergruss ansetzte, sagte er nur: „Su huh litt bei uns dr Dreck em Keller!“ („So hoch liegt bei uns der Dreck im Keller!“). Oder er fragte: „Es et am rähne?“ und testete mit der Hand, ob Regentropfen sie treffen.

Karl Küpper Dromedar

Aufgrund seiner immensen Popularität trauten sich die Verantwortlichen des Nazi--Regimes zunächst nicht, gegen ihn vorzugehen und er wurde trotz seiner respektlosen Haltung weiter zu großen Sitzungen eingeladen.

Im Jahre 1939 wurde er jedoch ihn jedoch ein lebenslängliches Redeverbot nach dem Heimtückegesetz wegen Verächtlichmachung des Deutschen Grußes sowie von NS-Würdenträgern und -Organisationen. Er missachtete es, obwohl er sich zeitweise täglich bei der Gestapo zu melden hatte. Um einer drohenden Verhaftung zu entgehen, meldete er sich schließlich zum Dienst in der Wehrmacht. Dort wurde er im Fronttheater eingesetzt, nachdem man sein Redeverbot aufgehoben hatte. Auch dort eckte er mit seiner respektlosen Art immer wieder an. Er war auch dort jemand, der sich von niemandem etwas sagen ließ.

Zurück aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft trat Küpper bald wieder in Köln als Büttenredner auf. Neben den Zuständen unter der Besatzung nahm er in der Nachkriegszeit weiterhin auch den Nationalsozialismus und die aktuelle Politik aufs Korn, behandelte aber auch unpolitische Themen. Doch das Provozieren konnte er nicht lassen. So zeigte er erneut den deutschen Gruß mit dem Bemerken: "Et is ad widder am rähne!" (Es regnet schon wieder), was eine kaum verhohlene Kritik am Einfluss alter Nazikader auf die Politik der Nachkriegszeit war. Karl Küpper starb am 26. Mai 1970.

Ne Weltenbummler alias Gerd Rück
Weltenbummler Gerd Rück

Fast schon ein Denkmal im Kölner Karneval ist der Karnevalist Gerd Rück, der uns jede Session mit einer neuen Büttenrede als "Weltenbummler" erfreute, in der er uns von seinen weiten Reisen berichtete. Rück ist Teil einer echten Karnevalsfamilie: Sein Bruder Klaus Rück war lange Jahre Literat bei den Roten Funken, seine Nichte Eva Rück die Regimentstochter bei den Altstädtern. Seine Schwägerin ist Tochter des legendären Ludwig Sebus.

Mit seinen Pointen strapaziere Gerd Rück aus der Bütt die Lachmuskeln seiner Zuhörer.

Dat Botterblömche alias Hans Bols (†)

Botterblömche alias Hans Bols

Hans Bols war von Beruf - das konnte jeder seinem gepflegtem Haar ansehen - Friseurmeister und über 30 Jahre einer der Kult - Büttenredner im Kölner und Rheinischen Karneval. Mit seiner Figur "Et Botterblömche“ begeisterte der gebürtige Krefelder jahrelang die Karnevalsfreunde im und auch außerhalb des Rheinlandes. Sein Markenzeichen: die bunte Stoffblume, die er während des Auftritts hin- und herwedelte, und ganz allgemein seine schnoddrige Art.

Trotz schwerer gesundheitlicher Probleme seit 2001 stand Dat Botterblömche weiter auf der Bühne.

Sein Motto: „Die Bütt gibt mir Kraft.“ Bols starb schließlich viel zu jung mit nur 67 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.

 

Der zaubernde Büttenredner Schmitz-Backes alias Michael Backes (hier)

Büttenredner Schmitz-Backes

Mit einer einzigartigen Kombination aus klassischer Büttenrede und humorvoller Zauberkunst bringt Schmitz-Backes frischen Wind auf die Bühnen des Rheinlandes.

Als "Harry Potter vom Rheinland" steht Schmitz-Backes bereits seit über einem Jahrzehnt im Scheinwerferlicht. Er ist Mitglied der Kajuja Köln und damit einer der großen Nachwuchs-Hoffnungen des kölschen Fastelovends. Schmitz-Backes be- und verzaubert jedes Publikum auf seine außergewöhnliche und spontane Art.

Der Bergische Landboote alias Ferdi Huick (†)
Bergische Landbote

Ferdi Huick (* 2. Mai 1940 in Düsseldorf; † 6. April 2006 in Wilkenroth) war einer der bekanntesten Büttenredner, auch im Kölner Karneval. Er absolvierte seine Auftritt als Der bergische Landbote. Huick war gelernter Dreher, aber schon früh verschrieb er sich dem Karneval. Nachdem er zunächst eine ganz traurige Zeit im hässlichen Düsseldorf als „Vater Rhein“ absolvieren musste gelang ihm 1983 der Durchbruch, als er bei der Kölner Gesellschaft Muuzemänchen aufgenommen wurde.

Bei seinen Auftritten verkörperte er die Typen "Bundeswehrsoldat“, "Tippelbruder“ und zum Schluss als Höhepunkt den „Bergischen Landboten“. Seine Büttenreden waren legendär.

Alle Büttenreden beendete Huick mit den berühmten Schlusswort: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann weißt du, dass du im Bergischen bist“.

Knubbelisch Büttenredner

Dä Knubbelisch vum Klingelpötz alias Ralf Knoblich

 

Der 48 Jahre alte Typenredner ist nun seit Februar 1994 Justizvollzugsbeamter in der JVA Köln – Ossendorf.

Im Jahre 1998 entstand die Type des „Knubbelisch“. Somit vollendet er nun seine zwölfte Session. Die kölsche Eigenart wird vom „Knubbelisch“ gelebt. Das fällt ihm leicht, da eben diese „städtische Kultur“ von ihm ständig erlebt wird.

Die Rheinländer leben/lieben ihre Region und die Menschen, welche in ihr wohnen. Ganz gleich woher sie stammen. Natürlich begegnet ihm im Gefängnis die ganze Bandbreite der „gesetzlich ausgerutschten“ Mitmenschen. Diese Geschichten und Erlebnisse werden vom „Knubbelisch“ mit Hilfe seiner, ihm eigenen, raubeinigen Herzlichkeit zu Gehör gebracht, wenngleich er auch von der urkölschen Sprache abweicht. Schließlich soll es auch Menschen jenseits der Stadtgrenze ermöglicht werden, seinem „Verzäll“ zu folgen.

So manches Anekdötchen könnte sich sogar tatsächlich genau so zugetragen haben. Ävver wä weiß dat jenau (strengstes Dienstgeheimnis).

 

Webseite: www.knubbelisch.de

 

Der Kölsche Schutzmann alias Jupp Menth

Jupp Menth verkörpert als "Kölscher Schutzmann" seit Jahren kölschen Humor und kölsche Sprache. Er ist einer der ganz großen Kölner Büttenrednerstars, wenn er auch nie im Zentrum der Büttenredner-Szene stand. Seit langer Zeit kümmert er sich im sog. "Literarischen Komitee des Festkomitees" (mehr dazu: hier) um den Aufbau und die Pflege des Büttenredner-Nachwuchses.

Der Mann mit dem Hötche alias Peter Raddatz

Peter Raddatz(dä mit dem Hötche) begann 1951 seine karnevalistische Karriere im Kölner Karneval. Damals wirkte er als Page und Prologsprecher bei den Sitzungen mit. Nach den Anfangsjahren trat er aber 1965 in der Type: “Dä Mann met däm Hötche” als Büttenredner auf und feierte als Redner große Publikumserfolgte. Mit seiner rheinisch-hochdeutschen Vortragsart vermag er uns mit seinen Büttenreden in vielen Säälen und Fernsehsendungen zu begeistern.

Dä Mann für alle Fälle alias Guido Cantz (hier)

Zu Cantz ist eigentlich nicht viel zu sagen. Man kennt ihn als Comedian aus zahllosen Fernsehsendungen, u.a. aktuell "Deal or no deal". Auch im Kölner Karneval treibt sich Cantz herum und ist dabei durchaus erfolgreich. An die Altstars der Kölschen Rednerszene reicht er aber bei weitem nicht heran.

... und aus dem Märchenwald:

Dat Rumpelstielzje alias Fritz Schopps

Wer kennt ihn nicht?

Das rheinische Rumpelstielzchen, dessen Namen so gut wie jeder kennt, aber niemand erraten kann. Seit Jahren erfreut und Fritz Schopps mit seinen Büttenreden voll bissiger Ironie, welche er im Märchenwalde reimt. Er ist einer der absoluten Stars des Kölner Karnevals und wird uns hoffentlich noch bald mit seiner bissig-ironischen Art erhalten bleiben. Hier ein Video eines seiner Auftritte auf YouTube.

<<< Hier finden Sie Informationen zum Karneval >>>


Das Thema dieser Seite ist Karnevalsreden und Büttenreden


Karneval * Fasching * Büttenrede * Letschred * Weltenbummler * Rumpelstielzchen * Karnevalsrede * Büttenredner * Karnevalsreden