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Kirche und Karneval

Kirche und Karneval sind in Köln seit je her eine Symbiose eingegangen. Nicht umsonst spricht man von rheinischem Katholizismus und meint damit die Einstellung des Kölners zu den kleinen Sünden verbunden mit der Hoffnung, dass der liebe Gott schon ein Auge zudrücken werde. „Et hät noch immer jot jejenage“ (es ist noch immer gut gegangen) ist ein Lebensmotto, mit dem sich der Kölner bei kleineren Verfehlungen selbst tröstet. Und: „Mer kann jo bichte jon“ (man kann je beichten gehen). Schon früh erfasste der Mummenschanz auch die Kirchen und Klöster. Das gemeine Volk persiflierte die geistliche Obrigkeit. Kölner Kurfürsten, die gleichzeitig Erzbischöfe waren, genossen in ihren Kreisen das fröhliche Treiben während der Tage vor der Fastenzeit, waren allerdings bedacht darauf, dass die Lustbarkeiten nicht überbordeten.

Heute noch ist es üblich, dass die Kölner Oberhirten das Kölner Dreigestirn empfangen und sich dafür auch eine Narrenkappe aufsetzen. In vielen Kirchen finden in der

Fastnachtszeit „kölsche Messe“ – kölsche Messen – statt, zu denen die Gläubigen maskiert erscheinen und in denen die Gebete auf Kölsch gesprochen werden.

Solche Messfeiern haben starken Zulauf aus allen Bevölkerungsschichten. In diesen Messen wird auch darum gebetet, dass Petrus an den tollen für strahlendes Wetter sorgen möge, damit der Rosenmontagszug und die Veedelszöch (Viertelszüge) unter optimalen Wetterbedingungen an den Jecken vorbeiziehen können.

Heutzutage steigen auch geistliche Herrn in die Karnevalsbütt. Einer der z.Zt. bekanntesten Büttenredner ist katholischer Diakon und tritt als Bergischer Jung auf allen großen Karnevalssitzungen auf. Lachsalven sind bei seinen Vorträgen gewiss. In seinen Witzen verschont er auch den Kölner Kardinal nicht, den er liebevoll Herr Kanalmeister nennt. Und der – ganz kölsche Tradition – der Herr Kardinal nimmt ihm das nicht krumm.

Die Kölner haben sogar ihren eigenen Vatikan. Es ist der Gürzenich. Der Gürzenich ist das mittelalterliche Ballhaus der Stadt Köln, das im 2. Weltkrieg sehr stark beschädigt und durch Bürgerfleiß nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Er ist das Zentrum des Kölner gesellschaftlichen Lebens und insbesondere das Zentrum des närrischen Treibens. Traditionell wird hier das Kölner Dreigestirn proklamiert; die Ähnlichkeit mit dem Vatikan ist daher unverkennbar.