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Politik und Karneval

Im Rheinland, insbesondere in Köln, sind Karneval und Kommunalpolitik eine Symbiose eingegangen. Kommunalpolitiker haben erkannt, dass der Karneval nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, sondern auch eine Plattform bildet, um sich als Politiker dem närrischen Volk zu zeigen und Volkstümlichkeit zu dokumentieren.

Für die Kölner Oberbürgermeister jedweder Coleur ist es ein Muss, im Karneval immer präsent zu sein. Wenn das Festkomitee des Kölner Karnevals sich für ein Trifolium (ein Dreigestirn: Prinz, Bauer und Jungfrau ) entschieden hat, so bedarf es formal der Zustimmung des ersten Bürgers der Stadt, des amtierenden Oberbürgermeisters. Dies geschieht auf dem sogenannten „Nickabend“ im Sommer vor der nächsten Karnevals-Session (nicht Saison). An diesem Abend nickt der Oberbürgermeister huldvoll den Vorschlag des Festkomitees ab. Dadurch wird aus den Kandidaten für die höchsten karnevalistischen Ämter offiziell das designierte Dreigestirn. (Übrigens: Waren die Heiligen Drei Könige, deren Gebeine im Kölner Dom aufbewahrt werden, vielleicht Vorbild für das Kölner Dreigestirn?).

Am 11.11. um 11.11 Uhr, wenn in Köln auf dem Alter Markt die neue Karnevals-Session eröffnet wird und Tausende Jecken dem Trubel entgegenfiebern, stehen neben dem Oberbürgermeister und den Top-Repräsentaten des Karnevals natürlich auch weitere Politiker auf der Tribüne und präsentieren sich so dem Publikum.

Höhepunkt des gesellschaftlichen Karnevalstreibens vor den tollen Tagen ist die PriPro, die Prinzenproklamation, die in der Regel im Januar im Kölner Vatikan, im Gürzenich, stattfindet. Alles was in Karneval, Gesellschaft, Bürgerschaft und nicht zuletzt in der Politik Rang und Namen hat, drängt zu dieser Veranstaltung, die für Köln die Bedeutung hat wie der Opernball für Wien. In großer Abendrobe, im Smoking und in Galauniformen der Gesellschaften zeigt man sich gerne und möchte gesehen werden. Und Politiker drängen in die erste Reihe und streben besonders an den Tisch des Oberbürgermeisters. Immerhin wird das Event, das mehr Show denn Sitzung ist, im lokalen Fernsehen übertragen. An diesem Abend proklamiert der Oberbürgermeister das Dreigestirn und übergibt ihm die Insignien; jetzt sind die Drei offiziell in Amt und Würden.

Auf vielen Karnevalssitzungen sieht man nun nicht nur das Dreigestirn, sondern auch viele Kommunalpolitiker in unterschiedlicher Kostümierung, auch in verschiednen Uniformen der Traditionsgesellschaften. Man sagt den Kölner Oberbürgermeistern nach, dass sie in ihren Schränken die Uniformen verschiedenster Gesellschaften aufbewahren, die sie je nach Anlass anziehen. Aber auch die Gesellschaften schmücken sich gerne mit prominenten Politikern in ihren Reihen und sind dankbar, wenn Ministerpräsidenten, Polizeipräsidenten, Oberbürger- und Bürgermeister, Fraktionsvorsitzende und andere Entscheidungsträger ihre Sitzungen besuchen. Nicht zuletzt deshalb werden an diese Personen auch gerne Titel der Gesellschaften verliehen.

Bei der Eröffnung des Karnevals an Weiberfastnacht und den obligatorischen Empfängen sind die Politiker natürlich präsent. Die Schull- und Veedelszüge und den Rosenmontagszug beobachten sie von einer besonderen Tribüne am Rathaus aus. Selbstverständlich werden durch den Oberbürgermeister diese Gelegenheiten auch genutzt, verdienstvolle Kölner Bürger mit zu bedenken, die Repräsentanten vieler Kölner Institutionen einzuladen und nicht zuletzt Vertreter der Partnerstädte Kölns und Angehörige der Diplomatie einzubeziehen.

Es gibt während der Session noch eine Vielzahl von Gelegenheiten, bei denen sich Politiker, Karnevalisten und Bürger begegnen und austauschen. Selbst der Regierungspräsident von Köln – ein ehemaliger Amtsinhaber wurde Kurfürst genannt – erhält die Aufwartung des Kölner Dreigestirns.

Man sieht, Karneval und Politik weben in Köln ein Netzwerk, und das sicherlich zu Nutz und Frommen dieser Stadt. Man ist aufeinander angewiesen, denn nicht zuletzt unterstützt die Stadt Köln den Rosenmontagszug auch finanziell, bringen doch die Besucher Geld in die Stadt.

Auch hier gilt das Wort Adenauers im wohlverstandenen Sinne: „Man kennt sich, man hilft sich!“.