Geschichte des Kölner Karnevals

Von der Stadterweiterung bis zum 2. Weltkrieg (1889 bis 1938)


 


Der Karneval nach der Stadterweiterung bis zum 2. Weltkrieg (1889 bis 1939)


1889 --- Die Künste huldigen dem Prinzen Karneval

Prinz Karneval und Venetia 1889

Prinz Mathieu Aldendorff
Weingroßhandlung
Grosse KG von 1823

Bauer Carl Wagner (schon einmal 1881 Bauer)
Juwelier
Grosse KG von 1823

Jungfrau Fritz Reuther
Architekt
Grosse KG von 1823

Venetia Carl Düren
Porzellanwarenhandlung Holstein und Düren
Kölner Männer-Gesang-Verein

In diesem Jahr istauch Venetia wieder mit dabei (siehe Bild). 1881 hatte man mit dem Abriss der Mittelalterlichen Stadtmauer begonnen. 1888 ist das Jahr der großen Eingemeindung. Das wirkt sich auf den Karneval nicht nur positiv aus. Er verflacht und droht auszuarten. In den Folgejahren kommt es immer wieder zu Forderungen, den Karneval wegen den Anzüglichkeiten und Übergriffen zu verbieten.


1890 --- Italien, Land der Sonne, huldigt dem Prinzen Karneval

Prinz Jean Ewald
Architekt
Große Kölner KG

(nach anderen Quellen soll auch 1890 Franz Depenheuer als Prinz fungiert haben,
der 1888 und 1902 Prinz Karneval war)

Bauer Hermann Faßbinder
Kaufmann
Rote Funken
 
Jungfrau Adolf Cader
Drogerie und Farbwarenhandel
Bürgergesellschaft Köln von 1863

Der Zug geht ohne Musik wegen Tod der Kaiserwitwe Augusta.

 

 

Speisekarte zum Rosenmontag 1890 -->

Speisekarte Rosenmontagszug 1890

1891 --- Närrische Ausstellung

Prinz Jacob Friedrichs
Geschäftsführer im Hotel du Nord
Grosse KG von 1823

Bauer Jacob Geub
Maschinen und Eisengießerei Geub
Kölner Narren-Zunft

Jungfrau Paul Hoppe
Gesangspädagoge und Komponist vieler Rhein- und Weinlieder
Kölner Narren-Zunft


1892 --- Köln als Seehafen

Eine Woche vor Karneval ist man noch immer auf der Suche nach den Hauptakteuren. Fünf Tage vor Rosenmontag springen drei Herren in die Bresche.

Prinz Jean Schmitz
Metzgermeister
Große Kölner KG

Bauer Mathieu Aldendorf (Prinz 1889)
Weinhändler
Grosse KG von 1823

Jungfrau Jacob Friedrichs (Prinz 1991)
Geschäftsführer im Hotel du Nord
Grosse KG von 1823

In diesem Jahr startet das Kölner Festkomitee einen Aufruf an alle Mitbürger, doch die im letzten Jahre vorgekommenen Ausschreitungen v. a. das “Einschlagen der Hüte”, das Belästigen von Frauen und das Singen anstößiger Lieder zu vermeiden. Die Aufrufe sind erfolgreich. Der Karneval verläuft ruhig.

Festheft Kölner Karneval 1892

 

In diesem Jahr veranstalten zum ersten Mal eine Reihe angesehener Vereine unter dem Namen "Vereinigte Diensts-Ball-Gesellschaften" den seitdem zur ständigen Einrichtung gewordenen Gürzenichball am Karnevalsdienstag, dessen Ertrag teils zu wohltätigen Zwecken verwendet, teils zur Verschönerung des Rosenmontagszugs verwendet wird: Ab 1893 bauen die Dienstagsballgesellschaften den Wagen des Prinzen und einige Jahre später auch denjenigen von Bauer und Jungfrau.


1893 --- Heimkehr des Prinzen Karneval aus dem Reich der Sagen und Märchen

Prinz Karneval 1893

Prinz Karl Strengnart (genannt: Prinz Carolus I.)
Wein- und Spirituosenhandlung
Blaue Funken

Bauer Johann Degen
Bildhauer
Grosse KG von 1823

Jungfrau Edwin Crones
Architekt
Grosse KG von 1823

 


1894 --- Concurrenz aller Feste der Welt mit dem Kölner Carneval

Prinz Josef Wingender
Mattenfabrik und Großlager für Teppiche und Vorhänge
KG Carnevalistischer Reichstag

Bauer Adolf Weisweiler
Bautechniker
Grosse KG von 1823

Jungfrau Josef Nierhoff
Kohlenhändler
Grosse KG von 1823

 

 

Bild von Bauer und Jungfrau 1894 -->

Bauer Jungfrau 1894

1895 --- Hervorragende Leistungen großer Männer, Dichter und Componisten

Prinz Heinrich Kayser
Kunst- Luxuswaren- und Schmuckhandel
Große Kölner KG

Bauer Peter Prior
Architekt
Grosse KG von 1823

Jungfrau Julius Metz (Bruder von Prinz 1872)
Schauspieler
Grosse KG von 1823


1896 --- Zeitung – Neueste Nachrichten

Prinz Karneval 1896

Prinz Robert Creutz (Robertus Amabilius I.)
Kaufmann
Grosse KG von 1823

Bauer August Porzelt
Teilhaber der Agentur Topprogge und Porzelt
Grosse KG von 1823

Jungfrau Ludwig Sester
Drogist
Bürgergesellschaft Köln von 1863

 

 

 

 

 

 

1897 --- Die Griesgramschlacht

Prinz Karneval 1897

Prinz Gerhard Becker
Gastwirt
Rote Funken

Bauer Richard Meyer
Archäologe
Kölner Narren-Zunft

Jungfrau Leo Zeyen
Betriebsleiter
Kölner Narren-Zunft

Bauer und Jungfrau fahren abweichend vom alten Brauch nicht gemeinsam auf einem Wagen. Sie reiten zu Pferde.

 

 


1898 --- Bunte Reihe Kölner Themen

Kölner Dreigestirn 1898

Prinz Ludwig Ebeler
Architekt
Vereinigte Dienstagsball- Gesellschaften

Bauer Wilhelm Heyer
Papierfabrik Poensgen und Heyer
Vereinigte Dienstagsball-Gesellschaften

Jungfrau Dr. R. Patton
Zahnarzt
Vereinigte Dienstagsball-Gesellschaften

 

 

 

 

 

 


1899 --- Flüsse und Ströme als Gast bei Vater Rhein

Prinz Karl Oster
Mitinhaber der Fa. P.W. Ossendorf
Groß- und Einzelhandelskaufhaus
kein Mitglied einer Karnevalsgesellschaft

Bauer Ernst Reimbold
Mitbegründer der Fa. Gebrüder Reimbold
Präzisionszieherei und Fabrik für komprimierte Wellen
kein Mitglied einer Karnevalsgesellschaft

Jungfrau Christoph Gehly
Inh. der 1. Kölner Plakat- und Reklamedruckerei Franz Greven
Karnevalsgesellschaft unbekannt

Dieses Jahr nimmt neben Bauern und Jungfrau auch Venetia mit dem Dogen wieder am Rosenmontagszug teil. Der Zug ist ein farbenprächtiges Spektakel. Motto der einzelnen Wagen sind eine Vielzahl von Flüssen: Vom Rhein über den Nackbar bis zur Themse.

Karneval 1899

1900 --- Zwei Jahrtausende rheinischen Lebens

Kölner Dreigestirn 1900

Am Rosenmontag der Jahrhundertwende ist herrlichstes Wetter. Der Prinz steht auf einem hohen Turm auf seinem Wagen.

Gründung der Große Allgemeine KG als Abspaltung von der Großen KG von 1823. Die Gesellschaft führt zunächst den Namen Allgemeine-Carnevalsgesellschaft im Victoriasaal, 1901 fällt das "im Victoriasaal" weg und 1903 kommt das "Große" hinzu, um die Bedeutung der Gesellschaft klarzustellen.

Gründung der Ehrengarde in diesem Jahr.

Festheft Rosenmontagszug 1900

Prinz Josef Winter
Mitarbeiter in der väterlichen Brauerei Winter, die er später übernahm
Casino Gesellschaft

Bauer Franz Reimbold (Bruder vom Bauern 1899)
Mitbegründer der Fa. Gebrüder Reimbold
kein Mitglied einer Karnevalsgesellschaft

Jungfrau Theodor Klein
Student
kein Mitglied einer Karnevalsgesellschaft

(auf dem nebenstehenden Bild ist auch "Kaiser Maximiliam" alias Präsident Wingender)

 

Wagen Rosenmonatagszug 1900

Wagen aus dem Rosenmontagszug 1900:
Wagen des Kaisers Trayan.

<-- Festheft zum Rosenmontagszug 1900


1901 --- Was uns das neue Jahrhundert bringt

Prinz Rudolf Scholz jun.
Beruf unbekannt
Große Kölner KG

Bauer Wilhelm Kränkel
Generalvertreter der Pilsener Genossenschaftsbrauerei
Gesellschaft unbekannt

Jungfrau Edmund Steinbach
Hier ist nur der Name bekannt.

Gründung der Alte Kölner KG Schnüsse Tring in Ossendorf.

Festheft zum Rosenmontagszug 1901 -->

Festheft Rosenmontagszug 1901

1902 --- Schiller und Goethe auf dem Carneval zu Köln

Prinz Karneval 1902 Ballon

 

Prinz Franz Depenheuer
(Prinz 1888)
Fabrik für Eisenkonstruktionen
Grosse KG von 1823

Bauer Hermann Faßbinder
(Bauer 1890)

Kaufmann
Rote Funken

Jungfrau Peter Cader
(Bruder von Jungfrau 1890)

Beruf unbekannt
Bürgergesellschaft Köln von 1863

 

 

Wieder hat man eine Woche vor Karneval noch keine Kandidaten für Prinz, Bauer und Jungfrau. Daher greift man auf Bewährtes zurück und kann Franz Depenheuser, der bereits im Jahre 1988 eingesprungen war, überzeugen, auch in diesem Jahr den Prinzen zu geben. Zudem springen Bauer und Jungfrau aus 1890 ein.

Prinz Karneval 1902 Depenheuer

Erster öffentlicher Auftritt der Ehrengarde, die bis heute dem Kölner Bauern und der Kölner Jungfrau das Geleit gibt. Die Gründung fand 1900 statt, 1902 ist der erste öffentliche Auftritt. Es war der Ehrengarde zunächst nicht gestattet, den angestrebten Platz vor Bauer und Jungfrau im Rosenmontagszug einzunehmen. Obwohl der Festausschuss auch 1902 für das neue Reiterkorps den Platz vor Bauer und Jungfrau nicht freigab, gelingt es der Ehrengarde unter Einschaltung der damaligen Tollitäten, insbesondere mit Bauer und Jungfrau, in einem Husarenstreich „op echt kölsche Aat” den angestrebten Platz er erobern: Es wurde verabredet, der Reitergruppe an einer günstigen Stelle durch eine vorgetäuschte Wagenpanne die Möglichkeit zu geben, sich in den Rosenmontagszug einzugliedern. Im „Rubbedidupp“ erobert sie sich ihren Platz im Karnevalszug und verteidigt ihn bis zum heutigen Tage. An diesen Husarenstreich erinnert der Schlachtruf der EhrenGarde „Rubbedidupp“.


1903 --- Lebende Lieder

Prinz Ferdinand Kraus
Vertreter für Röhrendampfkessel
Große Kölner KG

Bauer Wilhelm Peters
Teilhaber der Fa. A. Göbel und Cie. Colonialwaren
Große Kölner KG

Jungfrau Fritz Tholfuß
Geschäft für Orden, Medaillen und Vereinsabzeichen
Große Kölner KG

Wie im Vorjahr tut man sich schwer, einen Prinzen zu finden. Erst im letzten Moment erklärt sich Ferdinand Kraus dazu bereit.

Gründung der Nippeser Bürgerwehr.


1904 --- Des Prinzen Rheinfahrt bei seiner Heimkehr aus dem Süden

Prinz Karneval 1904 Prinz Prof. Dr. Karl Zilkens (genannt Prinz Carolus III)
Arzt und Zahnarzt
Bürgergesellschaft Köln von 1823

Bauer Erasmus Pott
Dachdecker und Klempnermeister
Grosse KG von 1823

Jungfrau Hans Coelsch
Student
Grosse KG von 1823

Das erste und einzige Mal in der Geschichte des Kölner Karnevals trägt der Prinz 1904 kein rot-weißes Ornat. Als gebürtiger Ehrenfelder geht er in den Ehrenfelder Farben blau-gold.

1905 --- Eine Blütenlese aus dem Kölner Adressbuch

Prinz Karneval 1905

Prinz Ernst Hunzinger (genannt Prinz Ernestus I.)
Teilhaber der Fa. Cour und Hunzinger
Agenturen und Lebensmittel
Große Kölner KG

Bauer Franz Ulonska
Teilhaber der Fahnenfabrik Richter
Grosse KG von 1823

Jungfrau Carl Düren (Venetia 1889)
Porzellanwarenhandlung Holstein und Düren
Kölner Männer-Gesang-Verein

Bis eine Woche vor Karneval ist noch kein Prinz gefunden.

Man sorgt sich um die Sittlichkeit. Der evangelische Sittlichkeitsverein zu Köln - unter ihrem Vorsitzenden Pastor Wendland - fordert Ende Oktober 1905 die radikale Beseitigung des Karnevals. Der Karneval ziehe jährlich v. a. einen großen Teil der “minderbemittelten Volksklassen” in seinen Bann, die dann monatelang durch die mannigfachen Veranstaltungen “an ihrer Berufsbeschäftigung, der Pflege geistiger und sittlicher Interessen entfremdet” werde. Die Triebfeder zu diesen Veranstaltungen sei nicht im Humor der Kölner Bevölkerung zu suchen - die hiesige Bevölkerung sei im Laufe der letzten Jahrzehnten “von Zuwanderungselementen so stark durchsetzt worden, dass dieselbe ihren einheitlichen Charakter völlig eingebüßt” habe. In Wahrheit gingen diese Veranstaltungen v. a. von solchen Kreisen aus, die in ihnen ein “Geschäftsinteresse” erblickten, “dass sie als Büttenredner, die vielfach mit ihren Erzeugnissen von einem Verein zum anderen ziehen, oder als Liederdichter bezahlt werden, sei es, dass sie als Wirte, Saalinhaber, Verkäufer von Maskenartikeln usw. ihren Vortheil haben”. Auch ein Teil der Lokalpresse zieht aus den karnevalistischen Anzeigen Vorteile und berichtet über die “mehr oder weniger witz- und geistlosen” Karnevalssitzungen so ausführlich, als ob es sich um der Beachtung würdige Vorkommnisse handelte. Ganz besonders seien die Gefährdung der Sittlichkeit und die Verrohung des Volkes zu beklagen, was die Statistik der unehelichen Geburten, das Pfandhaus und die Gerichtsverhandlungen belegten.

Der Aufruf hat keinen Erfolg: Der Karneval geht auch im kommenden Jahr weiter.


1906 --- Das Prunkmahl des Prinzen Karneval

Kölner Dreigestirn 1906

Endlich erhält auch der Prinz sein Begleitkorps: Die im Dezember 1905 neu gegründete Prinzen-Garde schreitet dem Prinz von diesem Jahr an im Rosenmontagszug voran. Jungfrau und Bauer haben bereits ihr Begleitkorps - die Ehrengarde. Dieser unwürdige Zustand wird nunmehr beendet.

Gründung der Große Mülheimer KG, die aufgrund der Eingemeindung 1914 zu einer Kölner Karnevalsgesellschaft wird.

Prinz Wilhelm Welsch
Weinhändler
Prinzen-Garde

Bauer Gustav Nolting
Großhandel für sanitäre Anlagen und Baumaterialien
Prinzen-Garde

Jungfrau Emil Mewes
Architekt
Prinzen-Garde

Blaue Funken Rosenmontagszug 1906

Wagen der Blauen Funken aus dem Rosenmontagszug 1906


1907 --- Bilder aus dem Kölner Leben

Kölner Dreigestirn 1907

Willi Ostermann startet mit dem Lied "Dem Schmitz sing Frau ist durchjebrannt" seine einzigartige musikalische Karriere. Heute gilt Ostermann als Erfinder des Karnevalsliedes. Zwar gab es auch vorher schon Karnevalslieder. Aber er professionalisierte das Karnevalsliedgut. Auf Schellackplatten konnte man sich nun den Karneval nach Hause holen. Auch heute noch werden seine Lieder in Köln gesungen.

Prinz Heinrich Schlimbach
Architekt
Grosse KG von 1823

Bauer Peter Thelen jr.
Teilhaber der väterlichen Zuckerfabrik
Grosse KG von 1823

Jungfrau Jean Wirz
Gastwirt
Grosse KG von 1823

Wagen Blaue Funken Rosenmontagszug 1907


1908 --- Bilder aus dem Kölner Leben

Prinz Karneval 1908 Felix I.

Prinz Karneval Felix I.

Prinz Felix Chorus
Fabrikant und Kaufmann
Leibgarde des Prinzen Karneval

Bauer Heinrich Thorbeck
Geschäft für Polstermaterialien, Möbelstoffe und Wagenbau
Leibgarde des Prinzen Karneval

Jungfrau Josef Bönsch
Besitzer der Hotels Victoria und Bellevue
Leibgarde des Prinzen Karneval

 

Die Prinzen-Garde spaltet sich. Das Reiterkorps gründet die Leibgarde des Prinzen Karneval, die jedoch keinen langen Bestand hat.


1909 --- Die verkehrte Welt

Prinz Karneval 1909

Prinz Karneval 1909

Prinz Josef Bönsch (Jungfrau 1908)
Besitzer der Hotels Victoria und Bellevue
Leibgarde des Prinzen Karneval

Bauer Kurt Bruck
Mitinhaber des Reichshallen- und Metropoltheaters
Leibgarde des Prinzen Karneval

Jungfrau Paul Bruck
Mitinhaber des Reichshallen- und Metropoltheaters
Leibgarde des Prinzen Karneval

 

 

 


1910 --- Aus aller Welt

Prinz Jacob Schoß
Weingroßhändler
Blaue Funken

Bauer Otto F. Meyer
Kaufmann
Kölner Klub für Wassersport

Jungfrau Josef Pleiß
Prokurist
Kölner Klub für Wassersport

Prinz Karneval 1910

 

 

 

Dreigestirn1910

Prinzenwagen 1910

Auf dem Prinzenwagen thronte in diesem Jahr auf einer goldenen Gondel Mutter Colonia. In einem Muschelkahn ließ der Prinz eine wahren Regen von Kamellen und Blumen über das Volk ergehen.


1911 --- Verkörperte Zitate

Prinz Emil Grewe
Mitinhaber der Baubeschlaghandlung Möst und Grewe
Leibgarde des Prinzen Karneval

Bauer Willy Hünnes
Betreiber eines Kinos
Leibgarde des Prinzen Karneval

Jungfrau Hubert Möst
Mitinhaber der Baubeschlaghandlung Möst und Grewe
Leibgarde des Prinzen Karneval

Einer der schönsten Prunkwagen in diesem Jahr ist derjenige von Bauer und Jungfrau. Die beiden treten durch eine rosenumrankte Pforte aus einem Bau im Empirestil in einen stilvoll geordneten Garten mit einem Brunnenmuschelbecken und grünen Beeten. Das Thema des Wagens "Wir winden dir den Jungfernkranz" wird von den Kölnern schnell umgedichtet in "Die Mähd, die muss am Huus erus".

Programm Rosenmontagszug 1911

Programm des Rosenmontagszuges
von 1911


1912 --- Deutsche Städte huldigen der Colonia und dem Prinzen Karneval

Prinz Heinrich Hünnes (Bruder des Bauern 1911)
Kartoffel- und Getreidehändler
Grosse KG von 1823

Bauer Christian Krutwig
Ziegelei- und Sandgrubenbesitzer
Blaue Funken

Jungfrau Josef Schäfer
Beruf unbekannt
Grosse KG von 1823

Aufgrund der politischen Unruhen ist es schwierig, drei geeignete Kandidaten zu finden. Der Prinz wird schließlich am Karnevalsfreitag gefunden und Bauer und Jungfrau erst am Karnevalssamstag.

Wagen Prinz Karneval Rosenmontagszug 1912
 

1913 --- Sang und Klang im Karneval

Kölner Prinz Franz 1913

Prinz Franz Oberliesen
Inhaber der Firma Theodor Hollender (Herde, Öfen, Küchengeräte)
Prinzen-Garde

Bauer Christian Esser
Beruf unbekannt
Ehrengarde der Stadt Köln

Jungfrau Carl Horatz
Teilhaber der Fa. Snog und Cie (Braut- und Kommunionskränze)
Ehrengarde der Stadt Köln

Am Rosenmontag ist schauriges Wetter. Dennoch ist viel los. Eskortiert von der Prinzen-Garde thront der Prinz auf einem Narrenkopf, geschmückt mit dem Helm der Gardisten in den Farben der Ehrengarde und der Prinzen-Garde. Oben darauf steht umrankt von Blumengirlanden der Prinz Karneval und wird von den Kölnern Bürgern verzückt gefeiert.

Wagen Kölner Rosenmontagszug 1913 von Bauer und Jungfrau

Der Wagen von Bauer und Jungfrau. Beide trohnten auf einer Schmeißfliege, welche auf einem Haufen saß

Kölner Dreigestirn 1913

Prinzenwagen des Rosenmontagszugs 1913

Der Prinz auf seinem Wagen

 

 


1914 --- Weltausstellung in Köln

Kölner Dreigestirn 1914

Prinz Fritz Herrmann
Architekt
Große Kölner KG

Bauer Theodor Preuß
Biergroßhändler
Ehrengarde der Stadt Köln

Jungfrau Engelbert Klein
Dekorationsmaler
Ehrengarde der Stadt Köln

 

Prinz Karneval 1914

Der Prinz auf dem Rosenmontagszug

Der Rosenmontagszug von 1914 stellt einen neuen Rekord auf: 74 Abteilungen ziehen zum Motto „Weltausstellung in Köln“ in einem prachtvollen Zug durch die Innenstadt. So viele Abteilungen gab es zuvor noch nie.

Das Zugmotto steht Pate für eine reichhaltige Fülle schöner Ideen. Auf dem nebenstehenden Bild etwa sieht man den Entwurf des Zugwagens "Ausstellung für Ammebedarf". Auf dem mit Gemüse dekorierten Wagen sieht man die überdimensionale Mutter der Kompanie, wie sie fünf kleine Rekruten in den Armen hält. Den Wagen begleiten paradierende Rekruten.

Der Rosenmontagszug wird ein riesiger Erfolg. Es wird der letzte sein für die kommenden Jahre.

Wagen Rosenmontagszug 1914

Karnevalswagen "Der Sport"

Wagen Rosenmontagszug 1914

Entwurf für einen Wagen beim Rosenmontagszug

Fussgruppe Karneval 1914

Fußgruppe im Straßenkarneval 1914


1915 bis 1923 kein Zug: 1. Weltkrieg

Auf den Karneval 1914 folgen der erste Weltkrieg und eine lange Besatzungszeit.

Die englische Besatzungsmacht spricht ein Karnevalsverbot aus. 1923 kommt die Ruhrbesetzung hinzu.

Obwohl der Karneval erst 1925 bedingt wieder erlaubt wird, gibt es 1924 schon wieder ein Dreigestirn, von dem der Bauer unbekannt ist. Bereits seit 1919 wird in kleinem Kreise inoffiziell aber wieder gefeiert.

Die wirtschaftliche Lage ist derart schlecht, dass an Karneval trotz des 100jährigen Jubiläums des reformierten und organisierten Karnevals nicht ernstlich zu denken ist. Die Stadt Köln gibt Notgeld heraus: Natürlich mit Motiven der Kölner Roten Funken - auch dies ein Zeichen der Karnevalsverbundenheit der Stadt selbst in diesen schweren Zeiten.

Im Jahre 1922 gründet sich ein jüdische Karnevalsverein: Der "KKK" - der "Kleine Kölner Klub". Hier organisieren sich insbesondere jüdische Textilkaufleute um den Präsidenten Max Salomon.

Notgeld Köln

Kölner Karneval 1923


1924 --- kein Zug

Prinz Christian Wirges
Drogist
Prinzen-Garde

Bauer unbekannt

Jungfrau Willi Dohmen
Süßwarengroßhandel
Prinzen-Garde

Es gibt wieder ein Dreigestirn. Es geht kein Rosenmontagszug.

 

Prinz Karneval 1924

1925 --- kein Zug

Kölner Dreigestirn 1925

Im Dezember 1924 wird der Sitzungskarneval für 1925 wieder erlaubt. Das Tragen von Kostümen in der Öffentlichkeit bleibt weiter verboten. Kurzfristig untersagt die Stadt Köln doch noch sämtliche Karnevalsveranstaltungen in städtischen Sälen. Das Festkomitee des Kölner Karnevals mit seinen (damals) neun angeschlossenen Karnevalsgesellschaften klagt und erzwingt vor der 12. Zivilkammer des Landgerichts Köln die Aufhebung des Saalverbots. Daraufhin kann auch in städtischen Sälen gefeiert werden.

Da der Rosenmontagszug verboten ist, ziehen Prinz, Bauer und Jungfrau erstmals in vollen Ornat auf den Sitzungen auf.

Der Nationalsozialismus zieht herauf. Die Roten Funken nehmen - wie viele andere Karnevalsgesellschaften auch - offiziell keine Juden mehr als aktive Mitglieder auf.

Prinz Dr. Kurt Töppel
Diplom Kaufmann
Prinzen-Garde

Bauer Carl Otte
Kaufmann
Rote Funken

Jungfrau Peter Höchstenbach
Vermietung von Privat- und Gesellschaftswagen
Blaue Funken

Rosenmontagszug 1925

Bild vom Rosenmontag 1925 (kein Zug)


1926 --- kein Zug: Besatzung bis 30.01.1926

Kölner Dreigestirn 1926

 

Auch in diesem Jahr tut man sich schwer, einen Prinzen zu finden. Erst 14 Tage vor Karneval findet man ihn.

Die karnevalslose Zeit unter den Briten wird als sehr belastend empfunden. Endlich ziehen die Briten am 31.01.1926 ab. Endlich ist der Weg frei für Karneval.

 

Postkarte zum Abzug der Briten
und zum (Wieder-)Einzug der
Roten Funken in Köln -->

Prinz Dr. Adalbert Oster
Oberchemierat
Große Kölner KG

Bauer Philipp Herold
Inhaber der Blumenhandlung Herold
Große Kölner KG

Jungfrau Peter Heydenreich
Autoverkäufer bei Opel
Große Kölner KG

Immer noch ist der Straßenkarneval verboten. Trotzdem finden sich an den Karnevalstagen in allen Stadtteilen Kinder und Jugendliche spontan zu verschiedenen Zügen zusammen, verkleidet und Lieder anstimmend. Die Polizei drückt beide Augen zu und lässt sie gewähren.

Abzug der Briten im Jahre 1926


1927 --- Aus der Neuen Zeit (Bunte Kappenfahrt)

Prinz Karneval 1927 Ferdinand II

Da erst 14 Tage vor Karneval die Genehmigung ausgesprochen wird, findet kein Rosenmontagszug, sondern nur eine Kappenfahrt statt (der Begriff kommt von der Narrenkappe). Es handelt sich um einen nur "abgespeckten" Umzug.

Die Kappenfahrt ging unter dem Motto:
Bunte Kappenfahrt aus der neuen Zeit

 

 

Eintrittskarte Gürzenich

 

 

 

 

 

 

 

 

Prinz Ferdinand Leisten sen.
Ofenhaus Leisten
Große Kölner KG

Bauer August Waimann
Kaufmann
Große Kölner KG

Jungfrau Hans Holz
Diplom- Kaufmann
Blaue Funken

Kölner Dreigestirn 1927

Prinzenwagen 1927

Fussgruppe 1927

Festheft Rosenmontagszug 1927

Bild des Festheftes zum Rosenmontagszug 1927


1928 --- Die Pressa im Spiegel des Kölner Karnevals

Kölner Dreigestirn 1928

Bauer und Jungfrau 1928 auf dem Rosenmontagszug

Prinz Franz Robens
Vertreter einer Tabakwarenfabrik
Große Kölner KG

Bauer Walter Rüsche
Handelsvertreter
Große Kölner KG

Jungfrau Josef Maier
Inhaber des Brauhauses Kolter
Große Kölner KG


Es darf wieder Karneval gefeiert werden wie vor dem Krieg. Und davon wird in Köln sehr ausgiebig Gebrauch gemacht. Etwa 760 Karnevalsveranstaltungen, darunter allein 600 Maskenbälle finden in Köln statt. Der Andrang ist riesig. Menschen aus ganz Deutschland kommen nach Köln.

Motto des diesjährigen Zuges ist die Internationale Presseausstellung, die auf dem Messegelände stattfand.

In diesem Jahr findet auch das Deutsche Turnfest in Köln statt.

 

 

 

Rosenmontagszug 1928

Die Roten Funken vom Rosenmontagszug 1928

 

 

 

 

 

 

 


1929 --- Ab- und Aufbau im Spiegel des Kölner Karnevals

Prinz Karl Breidenbach
Besteckhersteller
Große Kölner KG

Den Bauern sollte Hans Bauwens (Große Kölner KG) darstellen. Wegen einer schweren Erkrankung seiner Mutter muss er das Amt wieder zur Verfügung stellen. Für ihn springt Max Schleh ein.

Bauer Max Schleh
Mitinhaber der Motorradfirma Bischof und Co.
Große Kölner KG

Jungfrau Martin Roettgen
Kaufmann bei der Kellerei Deutz und Geldermann
Große Kölner KG

An Rosenmontag herrschte klirrende Kälte: Heute kaum vorstellbare 23 Grad unter null zogen durch Köln als der Rosenmontagszug die Stadt füllte. Den Musiker froren ihre Instrumente an den Mündern fest. Am Zugweg harrten dennoch viele Menschen unerschrocken aus, schunkelnd und vom einen Bein auf das andere springend, um Erfrierungen zu vermeiden.

Wagen Prinz Karneval 1929

Prinz Karneval im Pokal von Till Eulenspiegel
im Rosenmontagszug 1929

Ab diesem Jahr werden die Wagen des Rosenmontagszuges, die zuvor von verschiedenen Firmen dezentral gebaut wurden, zentral in den Kölner Messehallen gebaut. Erreichten die früheren Wagen durchaus 13 oder 14 Meter Höhe, ist ihre Höhe aufgrund der Einführung der elektrischen Straßenbahn nun auf 4,80 Metern begrenzt, um Unfälle mit der Oberleitung zu verhindern.


1930 --- Die Welt im Jahre 2000

Prinz Winand Kolfenbach
Architekt
Große Allgemeine KG

Bauer Karl Münchow
Architekt
Prinzen-Garde

Jungfrau Georg Rung
Kaffeerösterei und Kolonialwarenhandlung
Rote Funken

Prinz Karneval 1930

Trotz der Wirtschaftskrise gibt es einen Rosenmontagszug. Die Stadt erklärt zwar, sie könne den Karneval finanziell nicht unterstützen. Die Kölner finden aber andere Wege: Die Bevölkerung wird um Unterstützung gebeten. Ehrenamtliche Sammler laufen allerorts durch die Stadt und die Bürger geben reichlich, um ihren Zug gehen zu sehen. Zudem wird der Zug auch durch das Abwerfen von Werbezetteln finanziert. Prunkwagen sieht man in diesem Jahr jedoch nicht - dafür fehlt das Geld.

Hier finden Sie ein Video vom Rosenmontagszug 1930: Hier klicken.

Prinz Karneval 1930

Prinzenwagen 1930

Rosenmontagszug 1930


1931 - 1932 --- Wegen der Wirtschaftskrise kein Zug

Zugprogramm 1932

Zugprogramm 1932

Die Weltwirtschaftskrise machte es in den Jahren 1931 und 1931 unmöglich, einen Rosenmontagszug zu veranstalten. Trotzdem erschien 1932 eine Rosenmontagszeitung mit einem "Inoffiziellen Zugprogramm nach einer fixen Idee", die satirisch einen Zug mit Hungerprinzen und Festwagen beschrieb, die sich alle um das Thema "Krise" drehten.


1933 --- Karneval wie einst

Prinz Franz Robens (Prinz 1928)
Vertreter einer Tabakwarenfabrik
Große Kölner KG

Bauer Willi Jansen
Bäckermeister
Kölner Narren-Zunft

Jungfrau Paul, Kops
Juniorchef der Firma Sperrholz Kops
KG Rheinländer

Rosenmontagszug 1933

Es ist niemand anders als der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, der sagt, dass endlich wieder ein Rosenmontagszug stattfinden müsse. Das Festkomitee erhält zu diesem Zweck finanzielle Unterstützung durch die Stadt Köln. Zudem wird einer Generalversammlung des Kölner Verkehrsvereins am 17.10.1932 ein "Bürgerausschuss" gegründet. Prominente Persönlichkeiten aus der Bürgerschaft, Vertreter von Industrie, Künsten und Wissenschaft sowie von Vereinen erklären ihre Bereitschaft zur Mitwirkung. Der Rosenmontagszug ist damit gesichert.

Und damit nicht genug: Erstmals ziehen die Veedelszöch durch Köln zu denen der Bürgerausschuss und das Festkomitee aufgerufen haben. Die Veedelszög sind historisch auf die mittelalterlichen Gesellenbanden, die ihren mühseligen Alltag aufs Korn nahmen, zurückzuführen. Insbesondere dieser Erhaltung und Erneuerung des ursprünglichen Volkskarnevals hatte sich der Ende des Jahres 1932 gegründete "Bürgerausschuss" auf die Fahnen geschrieben.

Hier finden Sie ein Video des Karneval 1933: Hier klicken.


1934 --- Kölner Bilder

Prinz Karneval 1934

Prinz Dr. Eugen Boden
Rechtsanwalt
Rote Funken

Bauer Carl Zimmer
Inhaber der Firma Pejozi (Peter Josef Zimmer Umzüge)
Rote Funken

Jungfrau Willy Füllenbach
Konditor und Inhaber von Café Füllenbach
Prinzen-Garde

 

 

Die nationalsozialistische Partei versucht, den Kölner Karneval organisatorisch zu übernehmen. Das "Festordnende Komitee" wird aufgelöst. Die Narren revoltieren (sog. "Narrenrevolte"), indem sich die Führer der großen Karnevalsgesellschaft zusammen finden und ankündigen, dass ihre Gesellschaften am Karneval nicht mehr teilnehmen werden, wenn sie diesen nicht auch organisatorisch bestimmen können. Das Regime gibt schließlich nach. Das "Festordnende Komitee" heißt nun "Festausschuss". In kleinen, von vielen Karnevalisten durchaus akzeptierten Schritten erhielten NS-Organisationen aber danach dennoch wesentlichen Einfluss auf das Karnevalsgeschehen.

Die „Narrenrevolte“ muss man heute wohl weniger als Protest gegen das Dritte Reich sehen als vielmehr als Versuch, die eigene Macht zu erhalten. Die Prinzengarde unter Präsident Thomas Liessem, die sich später als „Anführer der Revolte“ darstellten, ließ bei ihren Auftritten in der vorherigen Session 1933/34 sogar noch eine SA-Kapelle spielen. Dass auch nationalsozialistische Werte vertreten wurden, zeigen damals beliebte Lieder wie „Die Jüdde wandern uss“ (näheres hier).

Rosenmontagszug 1934 antisemitischer Wagen

1934 verbreitet ein Festwagen mit in schwarzer Kleidung und mit langen Bärten verkleideten Karnevalisten unter dem Motto „Die letzten ziehen ab“ offen eine antisemitische Stimmung.


1935 --- Prinz Karneval filmt

Prinz Konrad Maaßen
Ingenieur
Große Kölner

KG Bauer Willi Unkelbach
Angestellter in der elterlichen Lebensmittelhandlung
Prinzen-Garde

Jungfrau Arnold Unkelbach
Schüler (stand im Abitur)
Prinzen-Garde

Erstmals hatte der Prinz ein eigenes Motto.

Prinzen-Motto: Freude über alle Maaßen

Prinzenwagen 1935

Zugmotiv 1935

Schon 1935 war die Rivalität von Köln und
Düsseldorf Thema das Zuges

Jungfrau und Bauer Karneval 1935

Prinz Karneval 1935

 

Jungfrau und Bauer Karneval 1935

 

 

 


1936 --- Alt Kölle läv en Spröch un Zitate (Motto ist zum ersten mal kölsch)

Prinz Karneval 1936

Prinz Fritz Riese
Konditor und Inhaber von Café Riese
Prinzen-Garde

Bauer Hermann Kemp
Handelsvertreter
Prinzen-Garde

Jungfrau Josef Trompeter
Bäckermeister
Prinzen-Garde


Prinzen-Motto: Jeder su jeck wie d´r Fritz

 

Erstmals gibt es im Kölner Karneval eine feierliche Prinzenproklamation in der Messe, am 20.02.1936 an Weiberfastnacht:

Erste Prinzenproklamation im Kölner Karneval 1936

Einzug des Prinzen Fritz Riese zur ersten
Prinzenproklamation im Jahre 1936 in der
Deutzer Messehalle

 

Für die Finanzierung des Rosenmontagszugs wurde eine groß angelegte Spendenaktion veranstaltet. Vertreter aller Gesellschaften sammelten bei den Kölner Bürgern Geld - und sie gaben reichlich für "ihren" Rosenmontagszug. Hier der Aufruf an die Bürgerschaft Kölns:

Spendenaufruf 1936

Erstmals gibt es eine große Rundfunksitzung "Kölle Allaaf", die in ganz Deutschland zu hören ist.

Als Willi Ostermann am 6. August 1936 stirbt, stehen 35000 Menschen vor seiner Residenz auf dem Neumarkt 33. Kölns Geschäfte schließen, bis der Tote (im Frack) im städtischen Ehrengrab auf dem Friedhof Melaten liegt.

Der Karneval wird nun zunehmend antisemitisch. Ein möglicherweise bereits 1933 entstandenes Karnevals-Spottlied auf die Juden "Die Jüdde wandern us" von Jean Müller ist hierfür ein gutes Beispiel.

Der Text des Liedes:

Kölsche Originalversion:

I.
Et deit sich alles freue,
Mir sinn jetz bahl su wick,
Mir wäde jetz in Deutschland,
Die Jüdde endlich quwitt.

Refrain:
Hurra mer wäde jetz de Jüdde loss,
Die ganze koschere Band,
Trick nohm gelobte Land.
Mir laache uns für Freud noch halv kapott,
Der Izig und die Sahra die träcke fott!

II.
Wenn die Jüdde bei uns kohme,
Mett neh‘m lange Rock un Flüh,
Fingen die an zu hausiere,
Arbeide deit der Jüdd doch nie.
Mit Knoche, Lumpe, Iser,
Un watt et söns noch jitt,
Un mett nehm Sack om Röcke,
Häh durch die Strosse trick.
Mett dem Handel iss jetz Schluss,
Dröm wandern die jetz uss.
(Refrain)

III.
Wenn die ganze koschere Jüdde,
us Deutschland sinn erus,
Zwei mir dann he behalde,
Die stelle mir dann uus.
Eine enn de Schreckenskammer,
Eine ett Museum kritt geschenk,
Datt mir an die Judenplage,
Mett Schrecke später denk.
Wenn man die zwei dann sieht,
Singt man för Freud dat Leed:
(Refrain)

Hochdeutsche Übersetzung:

I.
Es tut sich alles freuen,
Wir sind jetzt bald so weit.
Wir werden hier in Deutschland
Die Juden endlich quitt.

Refrain:
Hurra, wir werden jetzt die Juden los.
Die ganze koschere Bande
Ziehtins gelobte Land.
Wir lachen uns vor Freude noch halb kaputt,
Der Itzig und die Sarah, die ziehen fort.

II.
Wenn die Juden zu uns kamen,
Mit einem langen Rock und Flöhen,
Fingen sie an zu hausieren,
Arbeiten tut der Jude doch nie.
Mit Knochen, Lumpen, Eisen,
Und was es sonst noch gibt,
Und mit einem Sack auf dem Rücken,
Er durch die Straßen zieht.
Mit dem Handel ist jetzt Schluss,
Darum wandern die jetzt aus.
(Refrain)

III.
Wenn die ganzen koscheren Juden,
aus Deutschland sind hinaus,
Zwei dann wir hier behalten,
Die stellen wir dann aus.
Einen in die Schreckenskammer,
Einen das Museum kriegt geschenkt,
Dass man an die Judenplage,
Mit Schrecken später denkt.
Wenn man die Zwei dann sieht,
Singt man vor Freude dieses Lied:
(Refrain)


1937 --- Märchen und Sagen aus aller Welt

Prinz Karneval 1937

 

 

 

 

 

 

 

 

Prinz Hermann Münchow (nicht verwandt mit Bauer 1930)
Inhaber der Kreidemühle Teutonia
gehörte keine Gesellschaft an

Bauer Werner Nolte
Kaufmann
Prinzen-Garde

Jungfrau Josef Pütz
Bierbrauer
Ehrengarde der Stadt Köln

Prinzen-Motto: Lasst den Frohsinn Wellen schlagen in des Prinzen frohen Tagen.

Der Karneval wird mehr und mehr ein Fest der Nazis. In ganz Deutschland wird für den Kölner Karneval geworben. Der Karneval droht zur Farce zu werden. Die Nazi-Organisation "Kraft durch Freude" versucht, die Organisation, die Finanzen, die Vorträge in den Sitzungen und den Rosenmontagszug zu übernehmen bzw. zu steuern. Den Karnevalisten kommt der Zufall zur Hilfe: Der in Ungnade gefallene Oberbürgermeister Riesen gibt den Karnevalisten kurz vor seiner Absetzung 150.000 Reichsmark zu, eine damals ungeheure Summe. Sein Nachfolger Dr. Schmidt schäumt vor Wut und es gelingt ihm, die Summe auf 75.000 Reichsmark runterzuhandeln. Der Verzicht verschaffte den Karnevalisten das Wohlwollen der Stadtführung und Dr. Schmidt zeigt sich von nun an durchaus aufgeschlossen für die Wünsche der Kölner Karnevalisten.

Jungfrau Kölner Karneval 1937 Josef Pütz

Josef Pütz war die letzte weibliche Jungfrau vor dem Krieg (hier vor dem Kölner Dom)

 


1938 --- Die Welt im Narrenspiegel

Prinz Peter Hubert Schupp
Bes. einer Bananenreiferei
Lindenthaler Husaren

Bauer Johannes Wiesbaum
Versicherungsagent
Rote Funken

Jungfrau Paula Zapf
Angestellte bei Bierbaum und Proenen (Bekleidungshersteller)
keine Gesellschaft

Prinzen-Motto: Im Jubel und Trubel, bei fröhlichem Singen, will über Köln mein Zepter ich schwingen.

Prinz, Bauer und Jungfrau werden erstmals „Dreigestirn“ genannt.

Es gibt eine umstürzende Neuerung: Auf Druck der NSDAP muss die Jungfrau von einer Frau dargestellt werden. Die männliche Jungfrau im Karneval ergab sich anfangs zwangsläufig, da der Karneval eine reine Männerangelegenheit war. Im Laufe der Zeit wurde sie zur Tradition. In ihrem Kampf gegen die Homosexualität will die Partei aber keine Männer in Frauenkleidung mehr dulden - und so hatte man die Karnevalsgesellschaften schon 1935 angewiesen, „richtige“ Frauen als Funkenmariechen auftreten zu lassen; seit Menschengedenken wurden die Regimentstöchter der Tanzkorps ebenfalls von verkleideten Männern verkörpert - was in den Augen der Nazis eine bedenkliche Nähe zum Transvestitismus darstellte. Natürlich hatten die Korps nachgegeben und sich von ihren männlichen Mariechen getrennt. Nun gab auch das Festkomitee dem Druck der NSDAP nach und die 19-jährige Paula Zapf aus Nippes wurde die erste weibliche Jungfrau.

Paula Zapf und Bauer zu Besuch bei der Ehrengarde Köln

Bild: Jungfrau Paula Zapf und Bauer Johannes Wiesbaum bei der Ehrengarde Köln

Kölnische Illustrierte 1938

Das Titelbild der "Kölnischen Illustrierten Zeitung" von 1938 zeigt das Kölner Dreigestirn.

Die Jecken jubeln Ihrer Lieblichkeit zu - und nach der Session wird Paula Zapf von allen Seiten bescheinigt, sie habe ihre Sache gut gemacht. Mit der NSDAP hat Paula Zapf nichts zu tun.

Es gibt nur sehr wenige Aufzeichnungen über Karnevalisten oder Vereine, die etwa die Übernahme eines antisemitischen oder NS-propagandistischen Wagens verweigerten.

Eine nachgewiesene Form des Widerstandes, welche einen Bezug zu Karneval hat, ist die alternative Rosenmontagszeitung mit der Unterschrift "Einzige offizielle Festschrift für den Karneval 1938", eine subversiv publizierte illegale Satire auf die offizielle Kölner Rosenmontagszeitung, die allerdings nicht von Karnevalisten herausgegeben wurde, sondern von KPD-Mitgliedern.

Sie übte 1938 beißende Kritik am NS-System, stellte auch Joseph Goebbels auf dem Titelblatt als „Seine Tollität Jüppche I“ dar (siehe nebenstehend), der die Paraloe für die gecken Tage ausgab: "Dä Spruch bleib meines Chrönchens Schmuck: Immer löje wie jedrukk" - Immer lügen wie gedruckt!) und enthielt 8 alternative und bitterböse Wagenentwürfe des nach Belgien geflohenen Düsseldorfer Künstlers und KPD--Mitglieds Karl Schleswig, der die Zeitung mit Otto Niebergall in der Gestaltung der offiziellen Kölner Rosenmontagszeitung herausgegeben hatten als Vehikel für den politischen Widerstand.

Karneval Nationalsozialismus 1938
Alternative Wagenentwurf

<-- Hier der Entwurf des Prinzenwagens (Nr. 8) aus der subversiven Rosenmontagszeitung mit Begleittext:

Vortrab: Die Prinzengarde, in bekannter schwarzer Uniform, als Korkade: Totenschädel mit gekreuzten Knochen

Fußvolk: Männer vom Arbeitsdienst: Gerippe mit Schippe

Beschreibung: Deutschland aus vielen Brücken, Bergen, Fabriken, Kirchen und Häusern gebildet, ein Flammenmeer. Darüber im prächtigen, goldstrotzenden Narrenkostüm als Prinz der --- Krieg. Darunter ein Spruchband: Dass wir hier in Flammen aufgehen, verdanken wir dem Führer.

Gefolge: Witwen und Waisen.

 

Hier klicken, um weiterzulesen ab dem Jahr 1939 bis 1945

 

<<< Hier finden Sie Informationen zum Karneval >>>


Das Thema dieser Seite ist die Chronik des Kölner Karnevals


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